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| Geschichte des Blasorchesters |
| von Armin von Weschpfennig |
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| Von den Anfängen bis zum
Barockzeitalter |
| Die eigentliche Erfindung des Blasinstrumentes
erfolgte bereits in früher Vorgeschichte. Vermutlich hat ein Urmensch
ein auf beiden Seiten offenes Büffelhorn oder eine ausgetrocknete
Meerespflanze an die Lippen gesetzt und mit einer besonderen Lippenstellung,
die wir heute Ansatz nennen, die Luftsäule zum Schwingen gebracht
und somit einen Ton erzeugt. Der Zeitpunkt und Ort der Erfindung lässt
sich nicht festlegen, sondern erfolgte wohl an mehreren Orten etwa gleichzeitig.
Es lässt sich jedoch vermuten, dass dieser Mensch, der vielleicht
als einziger in seiner Umgebung in der Lage war, einen Ton zu erzeugen,
in seinem gesellschaftlichen Rang emporgehoben wurde. |
| Solche, von der Natur geschaffenen
Instrumente nehmen in der Antike zentrale Stellungen ein. So blies zum
Beispiel in der griechischen Mythologie der Sohn des Meeresgottes Poseidon,
Triton, ein Schneckenhorn. |
| Auch in der jüdischen Religion
nimmt ein ähnliches Instrument eine wichtige Stellung ein. Die berühmten
Posaunen von Jericho sind nämlich in Wirklichkeit mundstücklose
Widderhörner. Dieses altjüdische Schofar wird heute noch am Neumondstag,
zum Versöhnungsfest und zum neuen Jahr geblasen. |
| Des Weiteren ist uns allen sicher
eine lange und hohle Holzröhre bekannt: Das Didjeridoo. Dieses Instrument
wurde ursprünglich in Australien von den Aborigines zum Musizieren
verwendet, findet aber in letzter Zeit immer weitere Verbreitung in unseren
Kulturkreisen. Nicht selten ist es beispielsweise in großen Städten
auf der Straße zu hören. |
| Es ließen sich noch viele
weitere Beispiele anführen. Dies würde jedoch bei Weitem den
Rahmen dieses kurzen Überblicks sprengen. Aus diesem Grunde wird nun
auf die Verwendung der Metallblasinstrumente in der Antike eingehen. |
| Sicher erinnert sich jeder von uns
an den Einsatz von Fanfaren bei römischen Wagenrennen, wie zum Beispiel
der Monumentalfilm Ben Hur sehr schön zeigt. Tatsächlich waren
viele Hochkulturen, so auch die Römer, in der Lage, komplexe Instrumente
aus Metall zu fertigen. Im altgermanischen Siedlungsbereich, in Norddeutschland
und in Skandinavien fand man sogar die zwei bis drei Meter langen, aus
Bronze gefertigten Luren, auf denen bereits die ersten 12 Naturtöne
gespielt werden konnten. Nach heutigen Maßstäben reichten also
diese Instrumente bis zum notierten g’’. |
| Leider ging die Kunst des Instrumentenbaus
im Zuge der Völkerwanderungen verloren, so dass sie im Mittelalter
wieder neu erfunden werden musste. Bis zu diesem Zeitpunkt wurde das „Abblasen“
der Stunden oder Ankündigen von Gefahren noch mit natürlichen
Instrumenten praktiziert. |
| Aus dieser misslichen Lage heraus
entstanden wohl auch unsere heutigen Holzblasinstrumente. Da die damaligen
Metallblasinstrumente aufgrund mangelnder Instrumentenbaufähigkeiten
meist nur eintönig waren, kamen wahrscheinlich Hirten erstmals auf
die Idee, ein Instrument aus einem Baum zu basteln. Die Ergebnisse waren
das Hirtenhorn und das Alphorn, welches noch heute besonders in der Schweiz
eine zentrale Rolle einnimmt. |
| Mit der Zeit lernten jedoch die
Handwerker wieder die Kunst des Instrumentenbaus, so dass die Musiker zur
Zeit des Barock wieder gute Instrumente, die sich sogar zum Zusammenspiel
eigneten, zur Verfügung hatten. So wurde bei Hofe neben der Tanzmusik
mit Streichinstrumenten und Vorläufern unser heutigen Blockflöte
auch die Hoftrompeterkunst gepflegt. |
| Neben diesen privilegierten Musikern
gab es jedoch auch noch die sogenannten Stadtpfeifer. Diese durften die
Trompete nur zu bestimmten Anlässen wie dem „Abblasen“ von Chorälen,
bei Ratsversammlungen und an Gerichtstagen spielen. Seit 1653 wurde ihnen
sogar offiziell vom Kaiser Friedrich gestattet, in der Kirche zu spielen.
Sonst mussten sich die Stadtpfeifer mit Holz-, Streichinstrumenten oder
Hörnern begnügen. Diese Hörner haben jedoch nur wenig Ähnlichkeit
mit unseren heutigen Hörnern, sondern ähneln eher den Naturtrompeten.
Sie sind lediglich rund und konisch gebaut, was sie auch in der Klangfarbe
von den Trompeten unterschied. Bei konischer Bauweise wird der Durchmesser
des Rohres wie beim Flügelhorn oder dem Waldhorn langsam größer,
statt plötzlich in einem Trichter wie bei der Trompete zu münden. |
| Wahrscheinlich aufgrund der massiven
Unterdrückung seitens der Hoftrompeter, konnten doch gerade die Stadtpfeifer
schneller musikalische Neuerungen und bessere Instrumente hervorbringen
als die Hofmusiker. So komponierte gerade Johann Sebastian Bach (1685-1750)
zahlreiche wunderbare Werke für Streicher, Hörner, Trompeten
und diverse Holzblasinstrumente wie Flöte oder Fagott, die heute noch
oft in Kirchen oder Konzertsälen zu hören sind. Diese Kompositionen
wurden von den Stadtpfeifern mit einer Perfektion gespielt, die heute viele
Musikwissenschaftler in Frage stellen, da sie von den mäßigen
Fähigkeiten der Hoftrompeter ausgehen und den Einfallsreichtum und
das Können der Stadtpfeifer ignorieren. Es wurden auch bereits einige
Kompositionen für reine Bläserbesetzung geschrieben. Zu nennen
sind die berühmten Turmmusiken von Johann Christoph Pezelius für
fünf Bläser oder Werke von Gottfried Reiche, Bachs erstem Trompeter
in Leipzig. |
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| Die Bedeutung des Militärs
für unser heutiges Blasorchester |
| Eine weitere Wurzel unserer heutigen
Blasmusik neben dem Stadtpfeifertum ist bei den Trompeterzügen und
anderen militärischen Einheiten des 17. und 18. Jahrhunderts zu finden. |
| Durch die im 17. und 18. Jahrhundert
einsetzende Schaffung von stehenden Heeren und den Wunsch der Regimentsinhaber,
sich zu profilieren, setzte ein stetiger Ausbau der recht kleinen Musikergruppen
des Heeres ein. Unter diesen kleinen Besetzungen darf man sich jedoch keinesfalls
eine kleine Besetzung unserer heutigen Orchesterzusammenstellung vorstellen.
Vielmehr bestanden solche Kapellen mitunter nur aus vier roh und schrill
klingenden Schalmeien wie die der Dragoner Leibgarde in Brandenburg-Preußen
1646. Nachdem die Zahl der Schalmeien in den kommenden Jahrzehnten erhöht
wurden, traten endlich die wesentlich angenehmer klingenden französischen
Oboen an deren Stelle. Etwa zur gleichen Zeit wiesen französische
Militärkapellen bereits neben drei Oboisten fünf Trommler auf. |
| Ein großer Einfluss ging ebenfalls
von der türkischen Janitscharenmusik aus. Diese Musik wurde von Elitekapellen
des türkischen Sultans gespielt. Kennzeichnend für diese Gattung
ist das erweiterte Schlagzeuginstrumentarium und die marschartigen Melodien
mit wenigen Akkorden. So wurden im Zusammenhang mit den Türkenkriegen
um 1720 Instrumente wie Becken, Triangel oder kleine Trommel in westlichen
Ländern bekannt und in die Militärmusik aufgenommen. Auch Komponisten
wie W. A. Mozart oder J. Haydn verwendeten diese Schlaginstrumente in ihren
Werken. In der neunten Symphonie von Ludwig van Beethoven taucht sogar
im vierten Satz zwischen der bekannten Ode an die Freude ein türkischer
Marsch auf. So wurden diese neuen Entdeckungen samt des Schellenbaums nach
1806 Wahrzeichen der preußischen Militärmusik. Doch schon 1867
führte ein Infanterieregiment in Österreich zwei Oboen, zwei
Klarinetten, Fagott, zwei Trompeten, Pfeifer und Trommler, später
auch Waldhörner. Das Instrumentarium umfasste in Preußen um
1805 zwei Flöten, zwei Oboen, zwei Klarinetten, zwei Fagotte, zwei
Inventionshörner (Hörner ohne Ventile), zwei Inventionstrompeten
und zwei Bassposaunen. Später wurden noch Piccoloflöte, Es-Klarinette,
Kontrafagott und Serpent (Vorläufer unserer heutigen Tuba aus Horn
oder Elfenbein in Schlangenform) integriert. |
| Das Repertoire dieser Militärkapellen
umfasste Märsche und Bearbeitungen großer symphonischer Werke.
Bedeutende Komponisten schufen jedoch nur selten Originalwerke für
Militärkapellen. Ausnahmen hiervon bilden unter anderem Märsche
von Beethoven (Yorckscher Marsch), C. M. von Weber, R. Wagner oder Harmoniemusik
von F. Mendelssohn Bartholdy. Der W. Wieprecht zugeschriebene Große
Zapfenstreich stammt aus der Mitte des 19. Jahrhunderts. |
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| Verbesserungen der Blasinstrumente
und Verfall der Blasmusik |
| Nachdem im letzten Abschnitt die
Bedeutung des Militärs für die Blasmusik erläutert wurde,
werden nun wesentliche Verbesserungen der Blechblasinstrumente durch die
Erfindung der Ventile und verbesserter Klappensysteme sowie den Verfall
der Blasmusik nach 1848 und Gegenmaßnahmen vorgestellt. |
| Begonnen wird mit der Entstehung
der Ventile. Die eigentliche Entwicklung erfolgte in den Jahren vor 1814.
In der folgenden Zeit wurden zahlreiche Verbesserungen an ihnen vorgenommen,
die sich entweder bis heute bewährten oder nur kurz überdauerten,
weil sie wieder von anderen verdrängt wurden. |
| Es lässt sich mittels der uns
bekannten Quellen heute nicht sagen, wer der eigentliche Erfinder der Ventile
war. Am 06.12.1814 schrieb der Hautboist der Kapelle des Fürsten von
Pless in Schlesien Heinrich Stölzel ein Gesuch an König Wilhelm
III von Preußen, in dem er um Unterstützung seiner Erfindung
bat. Als er etwa ein Jahr später beim preußischen Finanzminister
ein Patent beantragte, wurde er aufgefordert, Instrumente zum Gutachten
einzuschicken. Dieser Forderung konnte er allerdings erst zwei Jahre später
nachkommen, da er erst zu diesem Zeitpunkt ein eigenes Horn besaß
und zudem noch gesundheitliche Probleme hatte. Das von ihm entwickelte
Ventil erinnert äußerlich stark an unser heutiges Perinétventil,
welches vor allem bei Trompeten eingesetzt wird. |
| Dem Patentgesuch hätte auch
ohne weiteres zugestimmt werden können, hätte nicht zur gleichen
Zeit der Berghoboist Friedrich Blühmel einen Patentantrag für
andersartige Ventile gestellt. Es scheint so, als wäre Stölzel
der eigentliche Erfinder, wäre da nicht noch ein Schreiben von Blühmels
Oberberghauptmann, in dem von Experimenten seid 1811 die Rede ist. Blühmels
Ventile waren Schiebeventilen neuartiger Bergmaschinen nachempfunden. |
| Da die Frage der Erstentwicklung
nicht geklärt werden konnte, einigten sich beide auf ein gemeinsames
Patent, nach dem Stölzel das alleinige Recht und Blühmel eine
Abfindung erhielt. Nach einer späteren Drehventilkonstruktion Blühmels
gelang 1835 Joseph Riedl die Erfindung der Drehventile, die vom Prinzip
her noch unseren heutigen Drehventilen bei fast allen Blechblasinstrumenten
entspricht. |
| Während sich die Symphonieorchester
und insbesondere große Komponisten wie Johannes Brahms oder Carl
Maria von Weber zunächst gegen die Ventile stellten, fanden diese
jedoch recht schnell Einzug in die Militärkapellen. Erst durch Komponisten
wie Robert Schumann oder Richard Wagner gelangte die Erfindung allmählich
zu großer Bedeutung auch außerhalb der Blasorchester. |
| Bevor die Zeit nach 1848 beleuchtet
wird, sind noch kurz einige Personen nennen, die maßgeblich zur Verbesserung
der Klappensysteme bei Holzblasinstrumenten beigetragen haben. Hierzu zählen
vor allem Theobald Böhm, der die Flöte verbesserte und Iwan Müller,
der die Klarinette technisch steigerte. Böhm fühlte sich als
Virtuose veranlasst, sein Instrument zu verbessern.1832 konstruierte er
eine konisch gebohrte Flöte mit Tonlöchern für jeden chromatischen
Ton und das Ringklappensystem. 1847 optimierte er seine Erfindung durch
eine zylindrische Bohrung, ein größeres Mundstück und eine
neu geordnete Grifftechnik. Dieses Modell ist abgesehen von kleineren Änderungen
noch heute als Böhm-Flöte in Gebrauch. Auf ihn ist auch die sogenannte
Böhm-Klarinette zurückzuführen. |
| Um 1812 erreichte Iwan Müller
durch Tonlochbohrungen nach akustischen Prinzipien wesentliche Klangverbesserungen
bei der Klarinette, die auf verschiedene Griffweisen unterschiedlicher
Töne zurückzuführen waren. Obwohl seine Entwicklung vom
Pariser Konservatorium abgelehnt wurde, fand seine Klarinette dennoch Einzug
in verschiedene Militärorchester. Die Erfindung stellte den Grundstock
für weitere Entwicklungen, unter anderem für die eben erwähnte
Böhm-Klarinette dar. |
| Adolf Sax erreichte ebenfalls Verbesserungen
durch Experimentieren. Er entwickelte 1840/41 unser heutiges Saxophon.
Dieses zählt trotz der Metallbauweise aufgrund seines mit der Klarinette
verwandten Mundstückes zu den Holzblasinstrumenten. |
| Nachdem zahlreiche technische Verbesserungen
Einzug in die Militärmusik gehalten hatten, durften bald wieder Vereine
gegründet werden. Paradoxerweise bedeutete die Aufhebung des Vereinsverbotes
1848 einen tiefen Einschnitt in das Ansehen der Blasmusik, welches bis
heute noch anhält. Obwohl durch die Vereinsgründungen erst unsere
heutige Vielzahl von Blasorchestern entstehen konnte, trugen diese zum
Verfall der Blasmusik bei. Die altgedienten Militärmusiker zogen nach
ihrer Rente wieder in die Dörfer zurück. Dort hörten sie
natürlich nicht auf, Musik zu machen, sondern gründeten Musikvereine,
in denen sie als Dirigent und Ausbilder tätig waren. Da sie jedoch
die Vielzahl der Instrumente nur unzureichend vermitteln konnten und den
Musikern auch keine qualitativ hochwertigen Instrumente zur Verfügung
standen, war das Niveau der Orchester entsprechend schlecht. Da es natürlich
keine einfachen Stücke gab, wurden die gleichen Harmonieeinrichtungen
wie bei den Militärkapellen gespielt. Harmonieeinrichtungen sind Bearbeitungen
von Symphonieorchesterkompositionen für eine andere Besetzung wie
Blasorchester oder eine kleine Blechbläserbesetzung. Diese Bearbeitungen
sind meist sehr schwer zu spielen, da sie keine Rücksicht auf die
technischen Probleme der Blasinstrumente nehmen. So müssen zum Beispiel
die Klarinetten oftmals die Geigen und die Tenorhörner die Celli eines
Symphonieorchesters ersetzen. |
| Erst Komponisten wie Gustaf Holst,
Percy Grainger oder Ralph Vaughan Williams bemühten sich durch Originalkompositionen
um eine Imageaufbesserung der Blasmusik. Diese waren zwar keineswegs leichter
als die Harmonieeinrichtungen, jedoch eher auf die technischen Schwierigkeiten
der Blasinstrumente abgestimmt. Der wohl bekannteste Komponist des zwanzigsten
Jahrhunderts, der für Blasorchester schrieb, ist Paul Hindemith. |
| Auch wenn uns die schlechte Qualität
der ersten Vereine noch bis heute nachhängt, verdanken wir ihnen doch
die Vielzahl der heutigen Musikvereine. |
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| Imageaufbesserung der Blasmusik
im 20 Jahrhundert |
| Um die Jahrhundertwende machten
sich besonders drei Komponisten bei der Imageaufbesserung unserer Amateurblasorchester
verdient. Der wohl bekannteste unter ihnen ist Gustav Holst (1874-1934).
Der durch seine „Planeten“ bekannt gewordene Komponist verdiente sich in
frühen Jahren sein Geld durch Posaunespielen in Blasorchestern. Er
schuf zwei sehr schöne Suiten für Blasorchester, die im Gegensatz
zu den Symphonieorchesterbearbeitungen an die technischen Besonderheiten
der Bläser angepasst sind. Volkslieder sowie deren Stilelemente verwendeten
der amerikanische Komponist Percy Grainger (1882-1961), dessen „Irish Tune
from Couny Derry“, auch bekannt aus dem Film Brassed Off, in unserem Jubiläumskonzert
2001 zu hören war, sowie der britische Komponist Ralph Vaughan Williams
(1872-1958) in ihren Werken für Blasorchester. Die Blasmusik wurde
allmählich selbstständiger und entfernte sich von der Aufgabe,
große Opern der breiten Masse durch Harmonieeinrichtungen bekannt
zu machen, während die Marschmusik noch bis heute eine zentrale Rolle
einnimmt. |
| 1928 folgte schließlich ein
entscheidender Schritt zur Imageaufbesserung während der Donaueschinger
Musiktage. Die 1921 ins Leben gerufene Veranstaltung stellte eine Förderung
junger noch unbekannter Komponisten dar. Durch diese erste Veranstaltung
wurde beispielsweise schlagartig Paul Hindemith (1895-1963) bekannt, der
1928 neben einigen anderen Komponisten explizit Werke für Blasorchester
schuf. |
| Einen gewaltigen Einbruch erlebten
sämtliche Kulturbereiche im deutschsprachigen Raum durch das nationalsozialistische
Regime. So wurde sämtliche ausländische Musik mit Ausnahme der
nordischen Länder sowie neue Musik verboten. Zudem mussten während
des zweiten Weltkrieges viele Orchester vorübergehend geschlossen
werden, da die meisten Mitglieder im Krieg waren. Auch nach 1945 litt nicht
nur die Amateurmusik unter den zahlreichen Kriegsverlusten. Doch dank der
Durchführung von Wettbewerben und Bildung von Auswahlorchestern erlebte
die Blasmusik einen erneuten Aufschwung. Als deutschen Komponisten möchten
wir besonders Hans Kolditz (1923-1996) erwähnen. Auch wenn seine zahlreichen
Arrangements bekannter Melodien aufgrund ihrer Einfachheit mittlerweile
nur noch selten zu hören sind, muss man jedoch anmerken, dass seine
Bearbeitungen selbst mit kleinsten Besetzungen spielbar sind und zudem
keine sonderlich hohen Anforderungen an den Musiker stellen. So ermöglichte
er vielen Orchestern ein Musizieren auf einer entsprechenden Schwierigkeitsstufe. |
| Auch in den Benelux-Staaten erlebte
die Blasmusik in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts einen Aufschwung.
So begannen zahlreiche Komponisten auch für Jugendorchester zu schreiben.
Hier machte sich beispielsweise der niederländische Komponist Henk
van Ljinschooten durch seine Arbeit an Musikschulen verdient. Unter seinem
Pseudonym Michel van Delft veröffentlichte er viele Werke für
Jugendorchester, unter dem Namen Ted Huggens komponierte er Stücke
im barocken Stil mit modernen Rhythmen. Solche Stücke finden immer
wieder sowohl bei Jugendorchestern als auch bei großen Orchestern
guten Anklang. Neben Henk van Ljinschooten gibt es noch zahlreiche weitere
Benelux-Staaten-Komponisten, die anspruchsvolle Blasmusikliteratur schreiben.
Zu ihnen zählen zum Beispiel Jan van der Roost, Kees Vlak, Dizzy Stratford,
Jacob de Haan, Johan de Mey, Jan de Haan und viele weitere. |
| In Amerika wird sogar im Rahmen
des Musikunterrichts ein klasseneigenes Orchester herangebildet. Somit
erlernt ein großer Prozentsatz in den USA ein Instrument. Für
diese Orchesterklassen gibt es entsprechend viel Literatur, die sich auch
in Deutschland immer mehr durchsetzt. |
| Verglichen mit Amerika oder den
Benelux-Staaten hat Deutschland noch starken Aufholbedarf. So gibt es hier
nur wenige Komponisten wie Gerhard Fischer-Münster (*1952), die für
Blasorchester schreiben. Zudem sind diese Werke oftmals für Amateurorchester
nicht spielbar. Leider verstehen immer noch zu viele unter Blasmusik die
so genannte „Dicke-Backen-Musik“. Diesen Sachverhalt bestätigt auch
die Anzahl der professionellen Blasorchester in Deutschland, die abgesehen
von einigen Bundeswehrmusikkorps im Vergleich zu Österreich oder den
Benelux-Staaten äußerst gering ist. |
| Dennoch ist in den vergangenen Jahren
ein stetiger Aufschwung der Blasmusik auch in Deutschland zu spüren.
Dies liegt nicht zuletzt daran, dass mittlerweile jeder die Möglichkeit
zu einem professionellen Unterricht hat. Der Musikverein Brunken bemüht
sich besonders durch ein vielseitiges Repertoire sowie vereinsnahe Ausbildung
bei professionellen Musikern von Hochschulen oder Musikkorps um eine Imageaufbesserung
der Blasmusik. |
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